Wilhelm Emrich
Die Bilderwelt Franz Kafkas
Akzente, Band III, 1960
 

Franz Kafka ist einer der ersten Zeugen der semiotischen Implosion. Wilhelm Emrich erkennt 1960 im Kafka diese Zeugenschaft.

Die Bilder, die der Mensch macht werden grundlos, zufällig, ohne Grundlage und ohne Voraussetzung und ohne Nutzen. Nur nicht in der Schule, nur nicht in der Pädagogik und das solange, solange der Schüler mehr gilt als ein Fotoapparat.

Franz Kafka in der "Beschreibung eines Kampfes":
" Gott sei Dank, Mond, du bist nicht mehr Mond, aber vielleicht ist es nachlässig von mir, dass ich dich Mondbenannter noch immer Mond nenne. Warum bist du nicht mehr so übermütig, wenn ich dich nenne "vergessene Papierlaterne in merkwürdiger Farbe". Und warum ziehst du dich fast zurück, wenn ich dich "Mariensäule" nenne, und ich erkenne deine drohende Haltung nicht mehr, Mariensäule, wenn ich dich nenne "Mond, der gelbes Licht wirf". Es scheint mir wirklich, dass es euch nicht gut tut, wenn man über euch nachdenkt; ihr nehmt ab an Mut und Gesundheit."

"Zwischen der Psyche und der empirischen Gegenstandswelt besteht kein inniges Wechselverhältnis mehr ... Daher kann die Gegenstandswelt nicht mehr metaphorischer, dichterischer Ausdruck für seelische Empfindungen werden, kann nicht mehr Gleichnis sein für die Gefühlswelt des Subjekts. Vielmehr fällt das Subjekt den Dingen anheim, wird selbst zum Ding (z.B. zum Fotoapparat, I.D.)..." Wilhelm Emrich, S. 179

Den Aufsatz zum download finden sie hier: kafka.pdf