kunstschule-digital
startseite magazin thema tutorials
startseite magazin thema tutorials 100 bilder archiv
    Mail: Bayerischer Landesbeauftragter für den Computereinsatz im Fach Kunst, Ivan Dusanek  
Magazin - "bewegen"
Editorial zum Thema der Ausgabe März 2006: bewegen

Martin Klinkner
"Der Zauber der Bewegten Bilder"
Viele Beiträge zum Thema dieser Ausgabe der Kunstschule Digital spielen mit dem eigentümlichen Zauber der Bewegten Bilder, dem nicht nur Kinder gerne verfallen. In vielen animierten Collagen bewegen sich gegenständliche und abstrakte Elemente mal schneller, mal langsamer, vollführen Figuren mehr oder weniger geschmeidige Bewegungen, drehen und wenden sich die Dinge, verändern sich Gestalten von einem auf den nächsten Moment.

Beim Daumenkino etwa steuert der Benutzer die Ablaufgeschwindigkeit auf einfachste Weise selbst, er ist Kino-Operateur und Zuschauer in einer Person. Zudem ist Daumenkino eine gute Vorbereitung auf den Trickfilm. Wer einmal ein Daumenkino hat ablaufen lassen, wird es nach ein paar weiteren Wiederholungen wohl gut sein lassen. Ein in der Regel witziger oder packender Moment wird auf ein paar Dutzend Seiten ausgebreitet, strebt einem Ende, einer Auflösung zu. Rückwärts durchgesehen zeigt sich, dass eine Pointe sich oft nicht umkehren lässt. Offensichtlich aber gilt auch hier: die größte Freude ist die Vorfreude, gefolgt vom kurzen zufriedenen Moment, wenn die Sache „funktioniert“ und läuft. In Abschwächung erlebt der Macher diese Freude erneut beim Abspielen vor anderen. Das Herstellen der einzelnen Ausgangsbilder lebt also in vielen Beispielen von der gespannten Erwartung eines angestrebten Bewegungsaspektes. Hierin liegt eine gewisse ästhetische und motivationale Beschränkung, der man allerdings etwas entgegenwirkt, indem auf strenge Passgenauigkeit und die Standardisierung der Einzelbilder weniger Wert gelegt wird.

Einfache, kostenlose GIF-Animationsprogramme erlauben es, analog hergestellte Einzelbilder rasch zu einem Film zusammenzustellen. Auch filmische Collagen aus kleinen Einzelsequenzen lassen sich rein medientechnisch leicht bewerkstelligen, zumal die meisten Schüler heute über ein Gerät mit Aufzeichnungsfunktion verfügen (Digicam, Camcorder, Handy). Damit das Ganze nicht nur Spaß, sondern vielleicht auch noch Sinn macht, empfiehlt es sich, ein einfaches gemeinsames Thema filmisch bearbeiten zu lassen. Damit Bewegung innerhalb des Bildausschnittes überhaupt als Thema begriffen wird, sollte die „Kamera“ auf einem Stativ fixiert sein. Liebevoll aufgebaute Domino-Ketten wollen auch gut ins Bild gesetzt und sauber ausgeleuchtet werden, bevor man sie abfilmt. Auf die Bedeutung des Bildausschnittes und der Beleuchtung ist natürlich auch beim Filmen mit Foto-Handy oder Digitalkamera hinzuweisen. Der große Vorteil der neuen Beweglichkeit und permanenten Verfügbarkeit von Foto- und Filmkameras ist eine Ausweitung der außerschulischen Praxis und des Motivbereiches. Aber nicht alles, was sich bewegt, lohnt auf/gezeichnet, fotografiert oder gefilmt zu werden. Deshalb bleibt eine gemeinsame Klärung und Sichtung der jeweiligen konkreten bildnerischen Aufgabe zum Thema „Bewegung“ unverzichtbar.

Martin Klinkner, März 2006

 

nach oben zurück zur Magazinseite