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    Mail: Bayerischer Landesbeauftragter für den Computereinsatz im Fach Kunst, Ivan Dusanek  
Magazin - bewegen II
Editorial zur Ausgabe September 2006: bewegen

Ivan Dusanek

Orientiert sich der Künstler an dem Charakter, der in Gestalt der menschlichen Figur
dargestellt werden soll, so entspricht die Gestalt seines Werkes bestimmten
harmonischen Körperhaltungen.
In seiner Fähigkeit, Charaktere von Menschen zu erkennen, verdichtet sich die gesamte
Lebenserfahrung des Schülers. Körperhaltungen sind für ihn wichtige Indizien dabei.
Ein Aufrechter steht aufrecht, ein Buckliger buckelt. So gibt es z. B. aufrechte oder krumme
Charaktere für ihn und damit den Unterschied zwischen Schön und Unschön.

Mehrere Körperhaltungen aufeinander folgend ergeben Bewegung. Schöne Charaktere werden mit schönen Bewegungen zum Ausdruck gebracht. Ob der Ausdruck der Schönheit in der jeweiligen Bewegung gefunden wurde, kann der Schüler erst im Nachhinein beurteilen. Ist der Schüler selbst der „Mime“, so hat er es nur mir sehr flüchtigen Bewegungsereignissen zu tun. In der traditionellen Unterrichtssituation erfolgt die Kritik in Selbstbeobachtung, oder durch Trainer oder Regisseur.
Mit Hilfe von digitalen Bildtechniken (Video, Foto) kann der Schüler seinen Bewegungsausdruck auch im Nachhinein beobachten und korrigieren. So wie z. B. Mozart „schöne“ Töne suchte, kann der Schüler durch Betrachten seiner eigenen Aufnahmen die ihnen eigene Schönheit erkennen.
Das digitale Material ist dann aber nicht nur Hilfsmittel, sondern das künftige Gestaltungsmaterial. Neben dem Anspruch, die Schönheit in der Körperbewegung zu finden, stellt sich die dringliche Frage nach der Schönheit des Digitalen. Damit wird der kunstpädagogische Anspruch vielschichtiger.
Die Frage ist radikal künstlerisch. Allgemein formuliert, geht es darum, die Schönheit, die die digitalen Werkzeuge hervorbringen, zu erkennen und pädagogisch zu nutzen.
Eine der spezifischen Eigenschaften des Digitalen ist die Flexibilität. Die Veränderlichkeit des digitalen Bildes besitzt die spezifische Schönheit des Beweglichen. Und woher erhält diese flexible Gestalt ihre Schönheit? Würden wir z. B. Aristoteles fragen, würde uns dieser antworten: „All dies erhält sie aus Ordnung, Proportion und Bestimmung.“

 

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