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Magazin bewegen II
  Ausstellungen
 

Rembrandt. Genie auf der Suche
20.09.2006 bis 05.11.2006 in Berlin, Kulturforum Potsdamer Platz
Karten von 13,50 € bis 34,00 €

Vom 4. August bis zum 5. November 2006 steht das Kulturforum Potsdamer Platz ganz im Zeichen der großartigen Gemälde, Zeichnungen und Radierungen Rembrandts. Mit rund 80 Gemälden aus aller Welt präsentiert die Gemäldegalerie "Rembrandt. Genie auf der Suche" - die größte Schau dieses Jahres zu Ehren des Künstlers. Eine hochkarätige Auswahl an Werken aus der Sammlung der Gemäldegalerie und internationalen Leihgaben führt das vielseitige Schaffen des großen Meisters eindrucksvoll vor Augen und präsentiert zugleich die Schwerpunkte der neueren Rembrandt-Forschung.
Rembrandt Selbstbildnis 1642Wie von heiligen Reliquien angezogen, müssen sich die zahllosen Kunstfreunde, die Schlage stehend den Einlass zu der Neuen Nationalgalerie abwarten, fühlen. Respekt! Aber die Geschichte der Rembrandts Rezeption weist auch interessante Wendungen auf.
»Man lassen sich nicht durch die ›Kenner‹ in den jetzt beliebten Rembrandtkultus hineintreiben.« (Jakob Burckhardt, Aus großen Kunstsammlungen, 1882)
»Der große Lichtmaler pflegte sich, gegenüber von dem Idealismus der damaligen Kunst, laut auf Natur und Wirklichkeit zu berufen. In Tat und Wahrheit aber war er nicht nur unfähig geblieben zu einer leidlich normalen, durchschnittlichen Bildung der Menschengestalt, sondern er unterlag den stärksten Verzeichnungen und Fehlern in der Linienperspektive; seine Formen sind nicht nur oft hässlich, wie ihm die zufällige, wahllose Wirklichkeit sie darbot, sondern sie sind oft falsch, und dies bei der höchsten, zauberhaftesten Wahrheit von Luft und Licht.« (Jakob Burckhardt, 1877)
Der Verfall des gesellschaftlichen Konsenses allgemein und die Parteiung des Kunstpublikums als ihr Ausdruck im Besonderen ist der Gedankenantrieb bei Burckhardt vor mehr als einhundert Jahren. Aus der Reihe tanzen macht hässlich!
»Arbeiten in unterschiedlichen, in wechselnden künstlerischen Erscheinungsformen, die Übernahme einer fremden Manier, das zielstrebige Herausbilden einer eigenen künstlerischen Handschrift, das Erfinden bisher nicht existierender Modi innerhalb der Gattungen: all dies gehört zur Eigenart der holländischen Maler im Goldenen Zeitalter. Sie waren, wie Rembrandt, Genies auf der Suche: auf der Suche nach dem erfolgreichen Platz auf dem Kunstmarkt ebenso wie auf der Suche nach der überraschenden Bilderfindung und der hierfür geeigneten Form. Das Maß, wie ihnen das eine oder das andere oder sogar alles drei gelang, mag den Gradmesser abgeben für die Größe ihrer Genialität.« (Bernd Wolfgang Lindemann, Im Lande Rembrandts – Genies auf der Suche, Ausstellungskatalog, S. 19, 2006)
Die Erfahrung von technologischen Neuerungen und der Ökonomisierung aller Bereiche des Lebens am Übergang vom 20. Jahrhundert zum 21. Jahrhundert prägt auch das Denken der Kunsthistoriker. Der Gradmesser der Genialität der Künstler, wie Rembrandt, ist ihre Technologie der Bilderherstellung und ihre ökonomische Dominanz auf dem Kunstmarkt.
Gehe ich nach Berlin zum Rembrandt, dann denke ich versuchsweise an die wechselnden kultischen Gemeinschaften von Kunstliebhabern, an die Schönheit des Hässlichen und die Hässlichkeit des Schönen, an den Kunstmarkt und an die neuen Bildtechniken.

 

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