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Magazin - "bewegen II"
Ausstellungen

Werner Tübke - Arbeiterklasse und Intelligenz
Ausstellung bis 5. November 2006, Museum der bildenden Künste Leipzig


Datail aus "Arbeiterklasse und Intelligenz" - Auf das Bild klicken, um das ganze Bild zu sehen.

Das monumentale Wandbild „Arbeiterklasse und Intelligenz“, das 1970 für das Foyer des Rektorats des Leipziger Universitätshauptgebäudes in Auftrag gegeben und in einem aufwendigen Arbeitsprozess 1973 von Werner Tübke vollendet wurde, ist der breiteren Öffentlichkeit trotz seiner allgemeinen Zugänglichkeit erstaunlich unbekannt geblieben. Der Abbau des Bildes im Frühjahr 2006 im Zusammenhang mit der Campusumgestaltung bietet vorerst letztmalig die Gelegenheit, das Werk neu ins Bewusstsein zu rufen, bevor es für längere Zeit bis zur Fertigstellung des Universitätsneubaus 2009 im Depot des Museums der bildenden Künste verbleiben wird.
Das Gemälde bildet den Mittelpunkt einer monographischen Ausstellung mit vorbereitenden Studien, Aquarellen, Gemäldeentwürfen und Dokumenten aus dem Nachlass des Künstlers, die zum größten Teil erstmals präsentiert werden. Gleichzeitig sind einige Arbeiten aus dem zeitlich parallelen Schaffen Werner Tübkes zu sehen.
von ERICH LOEST
„Ohne Zweifel: Paul Fröhlich hat zu DDR-Zeiten der Stadt Leipzig und seiner Universität geschadet wie kein Zweiter. Vor seinem schwachen Nachfolger trägt er die Schuld, dass unsere Stadt so weit verfiel, dass im Frühjahr 1990 ernsthaft gefragt werden musste, ob Leipzig noch zu retten sei.
Paul Fröhlich schaffte es, die bürgerlich-humanistische Universität zu zerschlagen und zu einer marxistisch-leninistischen umzubauen. Er vertrieb die Professoren Ernst Bloch und Hans Mayer und schickte Studentenpfarrer Schmutzler ins Zuchthaus. Er war maßgeblich beteiligt, den Befehl Walter Ulbrichts umzusetzen, die klassizistische Universität, in vielen Teilen benutzt, in den beschädigten ausbaufähig, zu sprengen. Als erster Akt sank die Paulinerkirche, eine Barbarei ohnegleichen. In seiner Herrschaftszeit und unter lautstarker Führung wurden die Akteure des Studentenkabaretts „Der Rat der Spötter“ und der Lyriker Andreas Reimann eingelocht, meine Zuchthauserfahrung danke ich zu großem Teil ihm.
Mit Malern und Nichtmalern saß ich neulich zusammen, wir machten uns Gedanken, wie man Paul Fröhlich malen könnte. Wir erwogen, ihn als klassen-kämpferische Krake darzustellen, vielarmig. Wie er Köpfe widerborstiger Studenten und Professoren abbeißt und nach Bautzen spuckt, woher er gekommen, wie er Dächer von Bürgerhäusern abnagt und an die Grundmauern pisst, wie er und Hans Vogelsang, sein oberster SED-Richter, mit Schädeln aus den Paulinergrüften Kegel spielen – vom Wehrmachtskoch zum Stadtsadist. Er hatte Helfer in der Deutschen Bücherei, die alles, was ihm nicht genehm, in den Giftturm sperrten. Gerhard Zwerenz kommt davon, Jürger Teller wird in die Produktion geschickt, wo ihm eine Maschine den Arm abreißt – beide waren Blochschüler. Hans Pfeiffer putzt der Krake den Hintern – auch er ein Blochschüler.
Wie malt man all das? Wie in Frankenhausen mit krassen Szenen? Aus den Poren der Krake dringt Schwefeldunst der Braunkohlezeit, mit ihrem kräftigsten Arm wühlt sie Erde auf, türmt Halden. Aber Fröhlich war doch nicht allein schuld, mahnt einer, wie malt man Ideologie? Pleiße und Elster lilafarbene Abwässer, Schaumkissen darauf, fließend aus dem Krakenmaul – wie malt einer Gestank? Steil gereckt ein Krakenarm mit der Bombe. Bereit, sie auf Leipzigs Seele zu werfen.
Breitformat. Teefarbener Himmel, Krähen. Die Krake lacht. Spruchband: „Mein Leipzig lob ich mir, weil wir die Hausherren sind.“
So reden wir. Uns schaudert.
Mal malen? Mal sehen."
LVZ v. 1. 9. 06

 

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